Die Wege von Yoko und uns, d.h. meiner Frau Muriel und mir, haben sich in der Fremde vor bald 15 Jahren erstmals gekreuzt. Diese Fremde war sowohl für sie als auch für uns nicht unsere erste Heimat, wo wir geboren wurden und aufwuchsen, sondern die zweite Heimat, nämlich Palo Alto in Kalifornien.
Bei vielem, was Yoko betrifft, müssen wir uns aber auf andere Quellen verlassen. Yoko wurde am 12. Juli 1947 in Nishinomiya einem kleinen Städtchen zwischen Kobe und Osaka in Japan geboren. In ihrer Familie sollen seit Generationen vorallem zwei Berufe vertreten gewesen zu sein: Universitätsprofessoren und Chirurgen. Letztere vorallem spezialisiert auf die Behandlung von Samurai.
Yoko’s Name bedeutet Kind des Ozeans aber ihr Leben war oft kein ‘life at the beach’ wie die Amerikaner sagen. Die Kindheit wird als hart geschildert. Sie war oft krank. Der an Tuberkulose erkrankte Vater starb als sie erst 8 Jahre alt war, kurz nachdem sie selber am linken Bein wegen lokaler Knochen-Tuberkulose operiert werden musste. Beides waren schwierige Erfahrungen. Danach musste die Mutter alleine für den Lebensunterhalt der drei Töchter aufkommen und sandte Yoko zu Tante und Grossmutter nach Kochi. Dort verbrachte sie eine glückliche Zeit dank der Aufmerksamkeit der Tante und einer gleichaltrigen Kusine, mit der sie den Tag verbrachte. Yoko verliess nach der High School die Schule, eine Entscheidung, die ihr eine grössere Karriere verbaute und die sie immer wieder bereute. Es zog sie nach kulturell interessanteren und international ausgerichteten Orten, so nach Kyoto, später nach London, wo sie unter anderem den schon fast sprichwörtlich berühmten, aber äusserst harten Job als Tellerwäscherin ausübte, und landete schliesslich in Kalifornien. Eine erste Ehe endete in Scheidung und mit einem Kind, ihrer Tochter Deanne, für die sie alleine sorgen musste. Im hoch-kompetitiven Silicon Valley blieb ihr nichts anderes übrig, als sich immer wieder weiter auszubilden. So gelang es ihr, Arbeit im renommierten Xerox PARC zu finden und schliesslich den waghalsigen Sprung als erste Angestellte in eine neu gegründete Firma, XIP, zu schaffen, wo sie bis zum Schluss unzählige Arbeitsstunden und viel Herzblut hineinsteckte.
Aesthetik war wichtig für Yoko. Sie liebte ihre Küche und dies nicht nur, weil sie funktionierte, sondern auch weil sie schön designed war. Mit Giordano zusammen gestaltete sie ihr gemeinsames Haus und feilte daran, bis es perfekt war. Die Liebe zum schönen Detail kam auch in Yoko’s Aquarellen zum Ausdruck sie malte wunderschöne Bilder.
Diese liebevolle Art bestimmte auch Yoko’s Beziehungen zu ihren Mitmenschen. Immer erkundigte sie sich nach den Kindern, Verwandten oder Nachbarn und Freunden. Sie dachte mit und fühlte mit. Yoko war grosszügig und überraschte ihre Freunde immer wieder mit kleinen Geschenken. Dabei verfügte sie, mindestens gegen aussen, über eine beispiellose stoische Ruhe und Gelassenheit.
Wegen unserer Rückkehr nach Zürich war der Kontakt in den letzten Jahren auf Treffen während Geschäfts- oder Ferienreisen beschränkt. Ich sah Yoko das letzte Mal im letzten Sommer. Yoko’s Krankheit war da erst im Anfangsstadium, von ihr zwar offen angesprochen, aber durch ihre Worte nicht in der schwelenden Ernsthaftigkeit mit düsteren Prognosen erkennbar .
Entsprechend ist es weitergegangen. Yoko blieb ehrlich und offen über ihre Krankheit, gleichzeitig aber auch positiv, klaglos und stoisch kämpfend. Allein, diese heimtückische Krankheit liess ihr keine Chance. Yoko starb, nach langen Qualen, am 31. Januar 2004.
Good Bye, Yoko, child of the ocean. Rest in peace.